Wahlkampfgetöse

Den Wahlkampf für die Parlamentswahlen Mitte April, habe ich bisher nur mit einem Auge verfolgt.
Ursprünglich ging ich davon aus, dass Berlusconi und der Rest des rechten Lagers das Rennen ohnehin machen wird. Aber seit ein paar Tagen klingt das ganz anders.
Der ehemalige Bürgermeister Roms und jetziger Chef der PD Walter Veltroni holt nach allen Umfragen gewaltig auf, und die UDC ist aus dem Wahlbündnis Berlusconis ausgeschieden. Und Veltronis Strategie mit der PD nicht in einem Wahlbündnis mit anderen linken Parteien, sondern alleine anzutreten, scheint aufzugehen. Es deutet sich sogar an, dass die Zersplitterung der Parteienlandschaft einen Dämpfer bekommen hat.

Aufreger der letzten Tage waren die Außenpoltik, in der das rechte Wahlbündnis am liebsten ganz neue Zeichen setzen würde. Oder alte, wie man es eben nimmt.
Das aus Richtung Berlusconi wie gehabt jede Menge Absurditäten kommen, über die man lachen kann, sie aber ernst nehmen muss, ist nichts neues. Das Schlimme ist nur, dass er den Scheiß den er erzählt ernst meint und auch umsetzen wird, sollte er wieder Regierungschef werden.
So möchte er die Windenergie aus Gründen des Landschaftsschutz völlig abschaffen (und selbst verständlich die Atomkraft wieder einführen), rät jungen Frauen reiche Männer zu heiraten, damit sie sich keine Sorgen um einen Job machen müssten.

Allgemein wird Politik in Italien etwas holzschnittartiger gehandhabt als bei uns üblich. Deftige Formulierungen und Beleidigungen sind nicht eben selten, manchmal kommt es sogar im Parlament zu Handgreiflichkeiten, wenn die Gemüter überhitzt sind.
Insofern sind die Beleidigungen gegenüber seinem politischen Gegner Veltroni nichts gänzlich unübliches. Berlusconi ist nur ein markantes Beispiel für eine Ansammlung an Nullen, die in Italien an den Schalthebeln der Macht sitzen.

Ich persönlich war ja großer Hoffnung, dass nach der Abwahl Berlusconis in 2006 endlich eine ernst zu nehmende, demokratisch gesinnte Regierung übernehmen würde. Aber da war mein Optimismus wohl etwas verfrüht. Die Mitte-Links-Regierung Prodis regierte glücklos, verhederte sich in kaum nachvollziehbaren Kompromissen und stürzte letztlich über den Abgang des Justizministers Mastellas und dem Ausscheiden seiner 1,4% Partei aus dem Regierungsbündnis.
Mastella wird seit langem eine gewisse Nähe zum organisierten Verbrechen nachgesagt. Gegen seine Frau wurde aus ähnlichen Gründen ermittelt und auch gegen ihn wegen Amtsmißbrauch ermittelt. Das man da zurücktritt, keine Frage. Aber das man die gesamten Regierung damit zu Fall bringt, tja das passiert eben so in Italien.

Nicht umsonst hat der, mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus, bekannte Komiker Beppe Grillo die gesamte Polit-Kaste aufs Korn genommen und zerlegt ihre Eigeninteressen und Korrumpierbarkeit genüßlich in seinen öffentlichen Aufträgen und seinem Blog.


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