Vor zwei Wochen bin ich auf den aus meiner Sicht nur halb zutreffenden Artikel “Deutsches Desinteresse an Italien” von Gustav Seibt eingegangen.
Inzwischen habe ich entdeckt, dass Gustav Seibt auch sonst viel zu und über Italien geschrieben hat. So ist er einer der Autoren der auf dem FAZ Reise-Hörbuch “Rom und Latium” vorgelesen Artikel, bin ich auf zwei Romane über Rom von ihm gestoßen und fand eine recht treffende Rezension eines anderen SZ-Artikels von ihm.
Irgendwie habe ich ja den Eindruck, das Gustav Seibt von sich geschrieben hat, als er meinte die Deutschen würden sich von Italien entlieben. Und wenn ich recht habe, dann müsste er sich fragen lassen, warum er diese Liebe in den 70ern und 80ern scheinbar so anders empfand? Hat er den Terror der Linken und Rechten ignoriert, die Strategie der Spannung mit ihren Bombenattentaten, den Golpe Borghese, die tolerierten Faschisten?
Aber ich argumentiere schon wieder über einen Artikel der mir unverständlich ist.
Das hat auch ein Anderer getan und zwar Antonio Puri Purini. Seines Zeichens italienischer Botschafter in Berlin.
Seine Replik erscheint unter dem Titel Diese Liebe ist noch lange nicht verloren ebenfalls in der SZ.
Nun ja, insgesamt hätte man sich ein wenig mehr Temperament und literarischen Furor in dieser Replik gewünscht. Aber man muss natürlich berücksichtigen, dass Purini Diplomat ist und entsprechend feine Formulierungen wählt, Fakten vor Emotionen stellt.
In einer Passage läßt er die von ihm gefühlte Leidenschaft der Deutschen für Bella Italia dann aber doch raus:
Die italienische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt, dazu trägt auch die Verbreitung unserer Sprache bei, die fast dreihunderttausend Deutsche lernen.
Ich spüre diese Leidenschaft überall: in den großen ebenso wie den kleinen Städten; bei Privatleuten – wie könnte ich den Kommentar einer deutschen Persönlichkeit vergessen: “Wenn ich nicht mindestens zweimal im Jahr nach Italien fahre, geht es mir schlecht!” – wie auch bei den Institutionen.
Ja, und ich bin einer davon! Einer der seine Freundin laufend mit italienischen Gerichten verwöhnt, Italienisch lernt, sich mit dem Land in all seinen Facetten auseinandersetzt, italienische Autoren liest, Musik abseits des Pizza-Soundtracks hört, seine Freundschaften jenseits der Alpen pflegt, liebend gern in das Land “wo die Zitronen blühen” reist, sich für italienisches Kino interessiert und sich nicht entliebt, trotz all der Widersprüche die Italien birgt.
PS: Auch diesmal mit Dank an Justus für den Hinweis. Du liest die SZ einfach schneller als ich.
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