Ziemlich kurzfristig hatte ich erfahren, dass Negramaro eine kleine Europa-Tournee macht und zwei Gigs in Deutschland spielt. Am 08.04. in München und am 09.04. in Köln.
Stattgefunden hat das Konzert im Luxor, das sich für Konzerte bis vielleicht 800 Leute prima eignet.
Ich schätze, dass beim gestrigen Konzert zwischen 200 und 300 Leute da waren. Gefühlt waren ca. 90% der Zuschauer Italienier bzw. italienischer Herkunft. Davon dann schätzungsweise 70% weiblich und die meisten recht jung. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn dehnte sich ein bisschen zu lang. Aber wer erwartet von einem Italiener, dass er pünktlich ist? Überall flogen italienische Gesprächsfetzen durch den Raum, bis endlich Negramaro auf der Bühne stand.
Als erstes kam La finestra, der namensgebende Song des neuen Albums. Das Publikum ging von Anfang an mit, so dass Giuliano Sangiorgi keine Mühe hatte sie mitzureissen.
Das schöne an Konzerten ist, dass viele im Publikum die Texte lauthals mitsingen. Egal ob gute oder schlechte Stimme. Der Chor macht es. Und wenn die Band auf der Bühne ein Gespür dafür hat, weiß sie, wann sie mal stoppen muss und einfach das Publikum machen lassen kann. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist der Song Ragazzo fortunato auf Jovanottis Live-Album Autobiografia di una festa.
So auch bei Negramaro, bei dem die Menge hüpfend vor der Bühne stand und fast alle Songs mitsang.

Was die Band anging, war sie offensichtlich ziemlich guter Stimmung. Giuliano Sangiorgi ging auf Tuchfühlung mit den Fans, grinste in die hochgehaltenen Kameras, sang dicht an den Köpfen der Zuschauer ins Mikrofon. Ganz klar ist er das Aushängeschild der Band. Seine falsett-artige Stimme, die manchmal theatralischen Gesten, die Verbindung die er mit dem Publikum aufnimmt, all das macht ihn und Negramaro aus. Auch der Rest der Band ging nicht unter. Emanuele Spedicato an der Guitare sang jeden Song (ohne Mikro) mit und Ermanno Carlà am Bass rockte ebenfalls mit.

Es gab, wie auf den Platten auch, beim Konzert ein paar instrumentale Solos, die allesamt etwas stiller, melodischer waren.
Die große Überraschung für mich war aber, wieviel Spaß die Band am hemmungslosen Schrammeln hatte. Manchmal rockten alle sechs Bandmitglieder minutenlang auf der Bühne ohne dass gesungen wurde. Das deutet sich auf den Platten von Negramaro zwar ein bisschen an, aber da scheint das Label schon die eine oder andere Stelle etwas glatter zu bügeln.
Zwei Zugaben und zum krönenden Abschluss des Konzerts der Sommerhit Estate aus 2005 und Mentre tutto scorre.
Übrigens haben nicht nur die Zuschauer mit ihren kleinen Kameras verwackelte Aufnahmen gemacht. Es lief während des ganzen Konzerts ein Kamera-Mann durchs Publikum und zeichnete das Konzert auf. Ich bin ja gespannt, ob daraus eine Club-Tour-Live-DVD oder sowas wird.
