So viele Gründe hat Amanda in ihrem Blog A tuscan view from Umbria aufgeführt.
Mir würden da noch ein paar weitere einfallen, aber für den Anfang eine stattliche Sammlung.
Tag: "Land und Leute"
99 Gründe Italien zu lieben
Photographische Rundreise durch Italien
Sehr schöne Fotos aus Italien gibt es hier zu sehen: www.flickr.com.
Klickt mal auf den Link des Fotografen, da gibt es noch jede Menge andere schöne Bilder aus Italien.
Von wegen Entlieben
Vor zwei Wochen bin ich auf den aus meiner Sicht nur halb zutreffenden Artikel “Deutsches Desinteresse an Italien” von Gustav Seibt eingegangen.
Inzwischen habe ich entdeckt, dass Gustav Seibt auch sonst viel zu und über Italien geschrieben hat. So ist er einer der Autoren der auf dem FAZ Reise-Hörbuch “Rom und Latium” vorgelesen Artikel, bin ich auf zwei Romane über Rom von ihm gestoßen und fand eine recht treffende Rezension eines anderen SZ-Artikels von ihm.
Irgendwie habe ich ja den Eindruck, das Gustav Seibt von sich geschrieben hat, als er meinte die Deutschen würden sich von Italien entlieben. Und wenn ich recht habe, dann müsste er sich fragen lassen, warum er diese Liebe in den 70ern und 80ern scheinbar so anders empfand? Hat er den Terror der Linken und Rechten ignoriert, die Strategie der Spannung mit ihren Bombenattentaten, den Golpe Borghese, die tolerierten Faschisten?
Aber ich argumentiere schon wieder über einen Artikel der mir unverständlich ist.
Das hat auch ein Anderer getan und zwar Antonio Puri Purini. Seines Zeichens italienischer Botschafter in Berlin.
Seine Replik erscheint unter dem Titel Diese Liebe ist noch lange nicht verloren ebenfalls in der SZ.
Nun ja, insgesamt hätte man sich ein wenig mehr Temperament und literarischen Furor in dieser Replik gewünscht. Aber man muss natürlich berücksichtigen, dass Purini Diplomat ist und entsprechend feine Formulierungen wählt, Fakten vor Emotionen stellt.
In einer Passage läßt er die von ihm gefühlte Leidenschaft der Deutschen für Bella Italia dann aber doch raus:
Die italienische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt, dazu trägt auch die Verbreitung unserer Sprache bei, die fast dreihunderttausend Deutsche lernen.
Ich spüre diese Leidenschaft überall: in den großen ebenso wie den kleinen Städten; bei Privatleuten – wie könnte ich den Kommentar einer deutschen Persönlichkeit vergessen: “Wenn ich nicht mindestens zweimal im Jahr nach Italien fahre, geht es mir schlecht!” – wie auch bei den Institutionen.
Ja, und ich bin einer davon! Einer der seine Freundin laufend mit italienischen Gerichten verwöhnt, Italienisch lernt, sich mit dem Land in all seinen Facetten auseinandersetzt, italienische Autoren liest, Musik abseits des Pizza-Soundtracks hört, seine Freundschaften jenseits der Alpen pflegt, liebend gern in das Land “wo die Zitronen blühen” reist, sich für italienisches Kino interessiert und sich nicht entliebt, trotz all der Widersprüche die Italien birgt.
PS: Auch diesmal mit Dank an Justus für den Hinweis. Du liest die SZ einfach schneller als ich.
SZ entliebt sich
Heute hat mich Justus auf einen Artikel der SZ aufmerksam gemacht, der sich in der Einleitung an dem postulierten Desinteresse der Deutschen an Italien aufhängt, aber eigentlich eine (wenn auch unvollständige) Zustandsbeschreibung Italiens wird.
In dem Artikel von Gustav Seibt tauchen viele richtige und wichtige Fakten auf, die auch mich in meiner Beobachtung Italiens umtreiben. Dinge die man in der Außensicht von Deutschland aus nur schwer nachvollziehen kann.
Und doch finde ich seinen Artikel an einigen Stellen etwas bemüht oder zu kurz gegriffen. Fast polemisiert er, ist ungerecht, beleuchtet nur die Stellen, die ihm erwähnenswert erscheinen. Er meint die deutsch-italienische Freundschaft sei so schwunglos, weil sie keine Basis mehr in der deutschen Gesellschaft, jedenfalls nicht bei den Gebildeten und der kritischen Intelligenz finde. Steile These!
So führt Seibt Lessing und Brinkmann als Beweis einer schon immer bestehenden negativen Sichtweise Italiens bzw. explizit Roms an. Er ignoriert aber, dass der zu Lessings Zeiten lebende Goethe Rom als einen Höhepunkt der abendländischen Kultur erlebt hat. Dass Martin Mosebach die Italiener als kältestes Volk der Welt bezeichnet hat, mag stimmen. Aber sein Buch Die schöne Gewohnheit zu leben: Eine italienische Reise ist kaum als eine rein negative Sichtweise Italiens zu verstehen.
Nanni Moretti als sympathischen Zausel und seine Filme als interne Lamentationen zu bezeichnen, lassen wir mal als Stilblumen gelten. Aber dabei den gerade in den deutschen Kinos anlaufenden Mein Bruder ist ein Einzelkind nicht mal zu erwähnen oder das alljährlich drei Monate durch Deutschland tourende Cinema Italia! unter den Tisch fallen zu lassen, finde ich dann doch ein bisschen wenig.
Was der Autor mit dem politischen Katholizismus und damit der solidesten Brücke meint, weiß nur der Teufel oder sein Lektor. Ich denke beim politischen Katholizismus und Italien schnell an den Fakt, dass dieser bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg weitgehend von der politischen Teilhabe ferngehalten wurde, und der Süden eben nie wirklich vom alten, agrarischen Europa in die moderne Industriegesellschaft überging, obowohl im Nackriegs-Italien bis zum Ende des Kalten Krieg der poltische Arm des Katholizismus, die Democrazia Cristiana, fast ununterbrochen an der Macht war.
Seibt zählt noch viele weitere aktuelle Themen auf, die wir Deutschen staunend betrachten. Berluska III, Post-Faschisten, Mafia, Skinheads in Verona, das Müllproblem, der Zusammenhalt Italiens als Nationalstaat …
Bei dem kann man nicht widersprechen. Vielleicht ergänzen, anders gewichten … Aber ja, das sind Seiten an Italien, die zumindest mich manchmal nachdenklich machen.
Doch wo ich dem Autor trotzdem nicht zustimmen kann, ist dass es deswegen eine Entliebung der Deutschen geben würde. Kaum einer möchte heute noch so essen, wie bevor Olivenöl, Pecorino, Basilikum und Pasta zu uns gekommen sind. Ich habe noch nicht erlebt, dass jemand einen Literatur-Tip zu z.B. Lucarelli oder einen aktuellen Kino-Tip desinteressiert bescheiden hätte, im TV kommt auch alle naslang was aus und über Italien und nicht zuletzt steigen dieses Jahr die deutschen Italien-Urlauber-Zahlen wieder.
Und ist nicht eigentlich der Artikel selber ein Beweis, dass es das postulierte Desinteresse gar nicht gibt? Nur eben das, was es in Wahrheit auch schon in den 70ern und 80ern gab? Ein Unverständnis über viele Aspekte der politischen und sozialen Verhältnisse Italiens. Der Widerspruch zum verklärten Blick auf das Land wo die Zitronen blühen, wo der Chianti herkommt, das Essen schmeckt und die Leute netter sind.
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