Kolosseum

[Photo Kolosseum]

Der englische Priester und Literat Venerable Beda (672 – 735 n. Chr.) sagte einmal:
Solange das Kolosseum steht, wird auch Rom leben, mit dem Kolosseum fällt auch Rom, wenn aber Rom fällt, wird auch die Welt zusammenbrechen.

Das Kolosseum (Colosseo) ist mit dem Petersdom bei vielen Rom-Besuchern ganz oben auf der Liste der zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten. Ich selber steuerte es als erstes an. Schließlich übte das Kolosseum seit meiner Kindheit eine Faszination auf mich aus. All die Geschichten über die Gladiatorenkämpfe, die Christenverfolgung in Quo Vadis oder Asterix der in der Arena Remmidemmi macht, waren für mich Synonym für Rom und das Römische Reich.

Von der Stazione Termini aus, sind es mit der Metropolitana Linie B nur zwei Stationen bis zum U-Bahnhof Colosseo. Aber generell empfehle ich jedem in Rom so viel wie möglich zu Fuss zu gehen, um die Stadt kennen zu lernen und auch einen Blick auf Dinge abseits der üblichen Touristenpfade zu werfen. Wozu unter der Erde zu einzelnen Sehenswürdigkeiten fahren und sich das römische Leben entgehen lassen?
Auf meinem Weg zum Kolosseum ging ich vorbei, an der Basilica Santa Maria Maggiore, die Via Merulana entlang, bis zur Basilica di San Giovanni in Laterano und bog in die gleichnamige Straße ein, bis irgendwann hinter einer Häuserfront das Kolosseum auftauchte. Es war nur für einen Augenblick zu sehen, danach versperrten wieder Häuser die Sicht.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, das Kolosseum so aus der Entfernung zu sehen. Ich lief schneller, überquerte ein paar Straßen, bis ich endlich davor stand. Dort angekommen betrachtete ich die Ruine eine Weile aufgeregt. Ich lief mehrere Male um das Kolosseum herum und musste es anfassen, um ganz sicher zu sein, dass ich wirklich davor stand.
Mir gingen die alten Filme wie Ein Herz und eine Seele oder Roma von Fellini durch den Kopf. Die Gladiatorenkämpfe, Asterix und Obelix, all die Geschichten, die ich über Rom gelesen, gesehen und gehört hatte. Am liebsten hätte ich das Kolosseum umarmt.

Der römische Kaiser Vespasian (Titus Flavium Vespasian, 69 – 79 n. Chr.) begann 72 n. Chr. mit dem Bau des Amphitheaters, das eigentlich Amphiteatrum Flavium hieß. Sein Sohn Titus stellt den Bau 80 n. Chr. fertig und der jüngste Sohn Vespasians Domitian ergänzte das Kolosseum mit den unterirdischen Gewölben, die die dargebotenen Spektakel erst wirklich möglich machten.

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Das Kolosseum wurde mit prächtigen Zeremonien und Vorstellungen mit 100 Festtagen eingeweiht. Bei diesen Feiern sollen ca. 5.000 Tiere und 3.000 Gladiatoren ihr Leben gelassen haben.

[Photo Kolosseum]

Der Name Kolosseum leitet sich wahrscheinlich von der damals vor dem Amphitheater befindlichen, 35 Meter hohen, vergoldeten Bronzestatue des römischen Kaisers Nero ab. Diese wurde Colossus Nero genannt. Heute existiert nur noch der Sockel, die Statue selber wurde unter Konstantin abgerissen und für andere Prachtbauten weiterverwendet. So unter anderem auch für den Konstantinbogen, der neben dem Kolosseum steht.

Das Kolosseum besitzt vier Stockwerke. An der Außenseite befinden sich im ersten Stockwerk dorische, im zweiten Stockwerk ionische und im dritten Stockwerk korinthische Halbsäulen. Im vierten Stockwerk befinden sich korinthische Pilaster. Vom vierten Stockwerk aus konnte ein großes Segel, das vlarium, über das in der größten Höhe 48,5 Meter hohe Kolosseum gezogen werden. In den Nischenwölbungen befanden sich Statuen berühmter Persönlichkeiten und Gottheiten. Das ellipsenförmige Kolosseum ist in der längeren Achse 188 Meter und in der kürzeren Achse 156 Meter lang.
Die Angaben darüber, wie viele Zuschauer das Kolosseum gefasst hat, schwanken zwischen 50.000 und 73.000 Personen.
Die Gewölbe, welche man heutzutage beim Blick in das Kolosseum sehen kann (da der Boden der Arena eingestürzt ist) beinhalteten ein System von Korridoren für die Sklaven, gefangene Tiere und technische Vorrichtungen. Das Kolosseum wurde mehrmals von Erdbeben und Bränden zerstört und wieder restauriert. Im Mittelalter diente es (neben vielen anderen antiken Bauten) als Travertin-Steinbruch.

Der Eintritt in das Kolosseum war, wie bei vielen öffentlichen Gebäuden, für jeden Römer frei. Den Zuschauern wurden Schiffsschlachten (naumachie), Gladiatorenkämpfe (munera) und Jagden auf wilde Tiere (venationes) gezeigt. Die Gladiatorenkämpfe wurden 438 n. Chr. abgeschafft. Bis 523 n. Chr. fanden noch Jagden auf wilde Tiere statt.

Ob Christen den Löwen in der Arena zum Fraß vorgeworfen wurden, ist umstritten. Dennoch weihte Papst Benedikt XIV (1740 – 1758 n. Chr.) das Kolosseum den Leiden Christi, zum Gedenken an die Opfer der Christenverfolgungen. An der Ost-Seite des Kolosseum befindet sich eine Gedenktafel, die an die Opfer der römischen Christenverfolgung erinnert.

Sehr überrascht war ich, als ich erfuhr, dass es noch ein weiteres antikes Amphitheater in Rom gibt. Es handelt sich dabei (wahrscheinlich) um das Amphiteatrum Castrense. Es kann allerdings nur von außen betrachtet werden und befindet sich zwischen Porta Maggiore und Porta S. Giovanni.


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