Mio fratello è figlio unico (Mein Bruder ist ein Einzelkind)

Auf den Film Mio fratello è figlio unico (Mein Bruder ist ein Einzelkind) bin ich über einen Bericht im ZDF aufmerksam geworden, der ein paar Filme des Film-Festivals in Cannes vorstellte.
Bei einem Besuch eines Arbeitskollegen in Mailand, nutzte ich die Gelegenheit und kaufte mir dir DVD.

Der Film blickt auf die Verhältnisse im Italien der 60er und 70er Jahre zurück. Eine Zeit, in der es oft so aussah, als würden Rechte gegen die Republik putschen oder Linke einen Umsturz versuchen. Vieles was im Film nebenbei erwähnt wird, erfordert eine gewisse Kenntnis der zeitgenössischen Geschichte Italiens. Aber auch ohne diese, porträtiert der Film diese Zeit für den Betrachter eindrucksvoll.

Das Private der Protagonisten steht im Vordergrund. Doch es wird auch gezeigt wie die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse immer wieder das Leben der Protagonisten beeinflussen.

Accio spielt die Hauptrolle des Films (gespielt von Vittorio Emanuele Propizio), der es schon als Kind durch seinen Eigensinn seiner Familie schwer macht. So entscheidet er sich bereits als Kind Pfarrer werden zu wollen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Rest der Familie Kommunisten sind. Doch seine erwachende Pubertät und die Hinterlist seines Bruders (der ihm das Bild einer hübschen Damen schenkt) wird ihm zum Verhängnis, bei dem ihm auch die katholische Kirche nicht helfen möchte oder kann.

Bei seiner Heimkehr wird er nicht eben freudig von Eltern und Geschwistern empfangen. Sein Zimmer ist von seinem Bruder besetzt, er muss im Flur schlafen und auch sonst gibt es eher Streit darüber, welchen Weg Accio nun einschlagen soll.
Aber streiten gehört in dieser Familie dazu.

Accio will natürlich weiterhin nur das machen, was im Gegensatz zum Rest der Familie steht. Und so freundet er sich mit seinem faschistischen Onkel an, lässt sich indoktrinieren und tritt bereits als Jungspund in die MSI ein (die damlige faschistische Partei Italiens), die ihn auch nur mit gedämpftem Enthusiasmus in ihren Reihen aufnimmt.

Natürlich kommt es dadurch zu Konflikten mit seiner Familie. Aber auch die jahrelangen Kopfnüsse seines Bruders Manrico bewirken bei Accio nichts. Er besucht das Grab von Mussolini, nimmt an Schläger-Aktionen teil, die im Stil der Schwarzhemden aus den 20ern Andersdenkende überfallen und verprügeln. Doch letztlich kann er sich auch bei den Faschisten nicht einordnen und verläßt die Partei nach ein paar desillusionierenden Erlebnissen.

Das Verhältnis zu seinem Bruder Manrico nimmt einen besonderen Platz im Film ein. Accio wird regelmäßig von Manrico verbal aber auch real der Kopf gewaschen. Während er es seiner Familie scheinbar nie recht machen kann, übernimmt Manrico die Position desjenigen der die Familie zusammenhält. Zudem ist Accio unglücklich in die Freundin seines Bruders verknallt, traut sich aber letztlich nicht, sich ihr zu offenbaren.

Manrico wird zu einem Terroristen der Brigate Rosse (Rote Brigaden). Und während es Accio gelingt sich vom Terror der Faschisten zu lösen, sich für seine Familie zu entscheiden, gelingt es seinem Bruder nicht, sein Privat-Leben über die Politik zu stellen.
Insgesamt ein sehr schöner Film, der ein paar unerwartete Wendungen nimmt.

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